| Calming Signals - "Beschwichtigungssignale" bei Hunden |
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Calming Signals - Beruhigungssignalevon Turid Rugaas (Calming Signals in Dogs by Turid Rugaas)
Beschwichtigungssignale bauen Vertrauen auf, vermitteln ein Gefühl der Sicherheit, und vorallem: helfen verstanden zu werden Seit vielen Jahren ist es bekannt, dass Wölfe Beschwichtigungssignale verwenden um Aggression zu unterbrechen und somit aufkommende Konflikte zu lösen. Den Forschern, die sich mit Wölfen befassen, sind diese Signale schon seit langer Zeit vertraut; sie wurden erstmals in den fünfziger Jahren beschrieben. Dieselben Forscher tendieren auch zur Annahme, dass Hunde nicht im selben Ausmaß soziale Fähigkeiten besitzen wie Wölfe. Dies mag wohl auch der Grund sein, weshalb Leute, die sich mit Hunden befassen, dieser (über-)lebenswichtigen Fähigkeit der Hunde nie große Beachtung geschenkt haben. Tatsächlich aber besitzen Hunde diese Fähigkeit im selben Ausmaß wie Wölfe, in gewisser Hinsicht sogar stärker. In derselben Situation, in welcher Wölfe die Signale sehr intensiv und klar einsetzen, können Hunde viel subtilere Signale verwenden, da sie sich nicht in der gleichen Gefahrenzone bewegen. Nachdem ich in einer Zeitspanne von über zehn Jahren bis zu tausend oder mehr Hunde jährlich beobachtet habe, weiß ich sehr genau, dass Hunde die Beschwichtigungssignale verwenden, welche sie von ihren Vorfahren, den Wölfen, geerbt haben. Die Hunde benützen diese jeden Tag, in allen möglichen Situationen oder immer, wenn sie etwas als Veränderung wahrnehmen. Sie verwenden oft so feine und vielfältige Signale, dass wir oft nur flüchtige Blicke davon erhaschen können, und oft kommen sie in Serien. Es braucht Erfahrung, um alle Signale zu erkennen, aber die meisten können von jedem, der es wirklich versucht, sehr klar wahrgenommen werden. Die Hunde, sofern sie ihre Sprache beibehalten haben, verstehen einander, und können daher miteinander kommunizieren. Sie können auch uns verstehen, sowie andere Tiere, welche dieselbe Sprache benützen. Entstehen Missverständnisse zwischen Mensch und Hund, geschieht dies oft wegen sprachlicher Probleme. Wenn wir besser darin werden, unsere Hunde zu deuten und zu verstehen, können wir dadurch unerfreuliche Situationen vermeiden. Es kommt zu einer echten Verständigung mit den Hunden, und wir können Reaktionen von Stress, Angst und Aggression bei unseren Hunden vermeiden - sowie bei den Hunden anderer Leute. Wenn Sie beginnen, die Sprache der Hunde zu beobachten und nach und nach vertraut damit werden, werden Sie die Beschwichtigungssignale bei jedem Hund wieder erkennen, den Sie antreffen. Sie werden bemerken, dass Sie zu verstehen beginnen, was Ihnen Ihr Hund tatsächlich mitteilt. Sie können dementsprechend reagieren und daher oft auf eine (vom Standpunkt des Hundes aus gesehen) angebrachtere Art und Weise. Sie können Ihren Hund besser ausbilden, weil Sie durch die Signale in der Lage sind zu erkennen, wenn Ihr Hund etwas unsicher wird, oder müde, wenn er nicht so konzentriert ist oder Ihre Kommandos nicht versteht. Durch die Kenntnis der Beschwichtigungssignale werden Sie in der Lage sein, einen Hund zu beruhigen, der sich zu verteidigen beginnt, Sie können mit aggressivem Verhalten umgehen, Sie können verängstigte Hunde davon überzeugen, dass man Ihnen doch trauen kann, und Sie können einen gestressten Hund in den verschiedensten Situationen beruhigen. Wenn Sie das Wissen um die Beschwichtigungssignale haben, wenn Sie diese erkennen und auch selber benützen können, so ist dies das Beste, was Sie tun können, um zu einem noch besseren Hundekenner zu werden. Sie werden der beste Freund Ihres Hundes sein, denn Sie verstehen wenigstens, was er sagt. Die Signale können auch direkt für den Trainigsaufbau eines Hundes eingesetzt werden. Beispielsweise kann man Therapiehunden beibringen, Dinge von Menschen zu akzeptieren, die bisher beängstigend für sie waren, indem langsam und schrittweise von dem Punkt an aufgebaut wird, wo der Hund die ersten kleinen Signale zeigt, anstatt zu warten, bis der Hund eine wirklich verzweifelte Reaktion zeigt. Hunde haben sehr schnelle Reaktionen und wir können es nicht mit ihnen aufnehmen. Aber indem wir lernen, etwas schneller und rascher zu verstehen, was vor sich geht, fällt es uns leichter, die Lage unter Kontrolle zu haben. Das mag auch der Grund sein, weshalb ich in all den Jahren nicht mehr als einmal gebissen wurde, obwohl ich mit den meisten der wirklich aggressiven und ängstlichen Hunde in diesem Land zu tun habe. Wenn Sie Ihre Beobachtungsgabe einsetzen, sollte dies eigentlich nicht passieren. Und brauche ich Ihnen nun noch zu sagen, dass dieser eine Hundebiss mein eigener Fehler war...?
Sie lassen den Hund wieder hinein, nehmen die Leine mit hastigen Bewegungen ab, und Ihr Hund blickt zur Seite, gähnt, leckt sich die Nase. Als Sie die Autoschlüssel nehmen und zur Tür eilen, schaut Ihr Hund zur Seite, kehrt Ihnen den Rücken zu oder macht etwas anderes. Sie kommen nach der Arbeit nachhause, und gehen wieder nach draußen. Dieses Mal lassen Sie Ihren Hund frei im Park laufen. Sie rufen ihn zu sich, weil Sie eine ältere Dame auf Sie zukommen sehen und besorgt sind darüber, dass Ihr Hund der Dame Angst machen könnte. Da Sie etwas angespannt sind, klingt Ihre Stimme schärfer als sonst. Ihr Hund kommt nur sehr langsam. Er läuft in Schlangenlinien, schüffelt am Boden, schaut hierhin und dorthin und nur nicht zu Ihnen, leckt seine Nase, er bleibt stehen und geht langsamer. Sie werden etwas strenger mit Ihrem Kommando, und er bleibt stehen, setzt sich hin, schaut weg, oder kehrt sich vielleicht von Ihnen weg. Sie kriegen ihn zu fassen und er sitzt da und starrt in eine andere Richtung. Ein Unbekannter kommt auf Ihren Hund zu, um ihn zu begrüßen und bückt sich über ihn, um ihn zu streicheln. Der Hund dreht dem Fremden den Rücken zu oder schaut weg und leckt sich dabei die Nase. Alles was Ihr Hund nun gemacht hat, sind Beschwichtigungssignale: Um Ihren Stress zu besänftigen, damit Sie freundlicher sind, wenn er auf Sie zugeht, oder um einen unhöflichen Fremden zu besänftigen. Ihr Hund benützt all dies, um die Konflikte zu lösen, welche er in seiner nächsten Umgebung wahrnimmt, zu welcher auch Sie gehören. Die Beschwichtigungssignale sind dazu bestimmt, beängstigende Situationen vermeiden zu helfen, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und jeglicher Art von Konflikt vorzubeugen. Hunde sind in erster Linie "Konfliktlöser", weil dies für ihr Überleben notwendig ist. Dies gilt sowohl für Hunde, wie auch für Wölfe. Beobachten Sie Ihren Hund während des Spaziergangs, wenn er mit anderen Hunden zusammentrifft: Sobald er einen anderen Hund sieht, beginnen die Signale zwischen den beiden hin und her zu fließen. Von einer größeren Distanz aus, und von sehr nahe. Wenn die Hunde einander sehr plötzlich sehen, kann es zu einem schnellen und sehr klaren Signal kommen, wie zum Beispiel in einer gebeugten Haltung gehen, um den Boden sehr intensiv zu beschnüffeln. Das kann von niemandem übersehen werden - und das ist sicher. Sobald Hunde miteinander konfrontiert sind, benützen sie Signale und kommunizieren miteinander - genau so wie wir in sozialen Situationen miteinander reden. Hunde sind Überlebenskünstler, und die Beschwichtigungssignale sind der Schlüssel zum Überleben. Wenn Ihr Hund seine Sprache verloren hat, können wir sie ihm zurückgeben.
Ganz genau wie uns das auch passieren kann: Wenn wir alleine in ein fremdes Land ziehen, mit einer uns fremden Sprache, beginnen wir die dort gesprochene Sprache zu benützen. Nach und nach, weil es niemanden gibt, mit dem wir uns in unserer Muttersprache unterhalten könnten, werden wir die Erinnerung an diese Sprache verlieren. Wir haben sie verlernt. Wir lehren die Hunde alle möglichen Kommandos, und sie machen sich diese zu eigen, aber es ist nicht ihre Muttersprache. Wenn sie nie die Gelegenheit dazu erhalten, mit anderen Hunden in Kontakt zu treten und ihre eigene Sprache zu benützen, werden sie diese allmählich verlieren. Dann wird vielleicht eines Tages Ihr Hund, wenn ein anderer Hund auf ihn zugeht, nicht mehr verstehen, was dieser ihm mitteilt. Ein anderer Grund, weshalb die Hunde die Beschwichtigungssignale verlernen, ist, dass wir sie dafür bestrafen, wenn sie diese einsetzen: Zum Beispiel, Ihr Hund schnüffelt am Boden, Sie bestehen aber darauf, dass er bei Fuß geht und bestrafen ihn für das Schnüffeln. Nach einer Weile wird er es nicht mehr wagen, den Boden zu beschnüffeln. Um Sie zu besänftigen, kommt er in Schlangenlinien und langsam zu Ihnen her. Sie bestrafen ihn dafür, und er wird es nicht mehr wagen, langsam und in Schlangenlinien zu gehen. Am Ende haben Sie möglicherweise jedes Signal, das er zur Verfügung hat, "weggestraft". Ihr Hund wird frustriert, sprachärmer, gestresst, ängstlich, aggressiv oder was auch immer. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Hunde mit ernsten mentalen Problemen tatsächlich sprachliche Probleme haben.
Ich werde auf einige von Ihnen näher eingehen - jene, die am einfachsten erkannt und beobachtet werden können. Den Kopf zur Seite wenden, vom Objekt wegschauen, das beruhigt werden muss. Manchmal in einer schnellen Bewegung ausgeführt, manchmal wird der Kopf zur Seite weg gehalten. Oder manchmal werden nur die Augen hin und her bewegt. Augenzwinkern, Starren vermeiden, Augenlider senken, damit die Augen weicher aussehen Dem fraglichen Objekt die Seite oder den Rücken zudrehen Oft in für den Hund angespannt wirkenden Situationen verwendet (z.B wenn man den Arm um den Hund legt, sich über ihn bückt, schnurgerade auf ihn zugeht, etc.) Hunde mit dunklem Fell benützen dies oft, um ihre dunklen Gesichter, auf denen oft schwer verschiedene Ausdrücke wahrgenommen werden können, zu kompensieren. Wird benutzt um jemanden zu beruhigen. Oft erreichen die Hunde dadurch aber eine gegenteilige Reaktion des Menschen, da dieser sich über die langsamen Bewegungen seines Hundes aufregt. Bei der Übung "bei Fuß" gehen zurückfallen, beim Apell sehr langsam kommen, wie eine Schnecke neben einem hergehen. Je mehr Hektik da ist, je mehr wir umherrennen, schreien und laute Töne von uns geben, je mehr wir den Hund dazu auffordern, schneller zu gehen, oder je wütender wir werden, desto langsamer bewegt sich der Hund. Ich habe oft Kunden, die sich bei mir darüber beschweren, dass ihre Hunde sich bewegten, als steckten ihre Pfoten im Schlamm fest (kürzlich hatte ich sogar einen langsamen Border Collie im Agility!) Mit den Vorderbeinen nach unten gehen. Beim Spielen benutzt- und zum Beruhigen. Hunde benutzen es oft gegenüber Kühen und Pferden, vielleicht weil sie etwas unsicher darüber sind, wie sie diesen Tieren begegnen sollen. Ich habe einmal einen Berner Sennenhund beobachtet, wie er dieses Verhalten einem Regenwurm gegenüber gezeigt hat. Wenn es hart auf hart geht, sind dies klare und sichere Signale. Setzt sich Ihr Hund hin, wenn Sie Ihn rufen, anstatt zu kommen? Mein eigener Hund Saga hat sich hingesetzt und in eine andere Richtung geblickt, als zwei wütend aussehende, bellende Hunde auf sie zu rannten. Diese verlangsamten daraufhin sofort ihr Tempo, und der Angriff war vorüber. Sich hinlegen ist keine Unterwürfigkeitsposition- nur wenn dabei der Bauch gezeigt wird. Sich Hinlegen ist ein sehr starkes Beruhigungssignal, das oft von ranghohen Tieren benutzt wird- wie von Ulla, der Rudelführerin meiner Hunde. Es ist wahrscheinlich nicht richtig, die "Platz"-Position als Führerübung zu verwenden. Wahrscheinlich das am häufigsten benutzte Signal. Schauen Sie nur hin! Ihre Hunde gähnen wahrscheinlich jeden Tag in bestimmten Situationen. Gähnen Sie während der Übungsstunden? Hoppla! Überdenken Sie Ihre Trainingseinheiten vielleicht noch einmal. Etwas weiteres, was Hunde häufig tun. Ja, sie schnüffeln, um "die Zeitung zu lesen", ja, sie schnüffeln, um zu sehen, wer gerade kürzlich hier entlanggelaufen ist. Aber schnüffelt Ihr Hund, wenn ihm ein anderer Hund auf dem Bürgersteig entgegenkommt? Lassen Sie ihn machen- es ist viel wichtiger, dass er mit dem fremden Hund kommuniziert, als dass Sie in Ihrem gewünschten Tempo weiterkommen. Schnüffeln während des Appels? Ändern Sie Ihren Tonfall, schauen Sie fröhlich drein und schauen Sie dann, ob Ihr Hund nun nicht besser zu Ihnen kommt. Hunde gehen nie schnurgerade aufeinander zu. In Ordnung, bei guten Freunden und jenen, welche er gut kennt, aber sonst nie. Wenn es Ihrem Hund unangenehm ist, angeleint in gerader Linie auf andere Hunde zu treffen, lassen Sie ihn einen Bogen machen- manche Hunde brauchen einen großen Bogen, anderen genügt ein kleiner. Wenn sich Ihr Hund auf die andere Seite von Ihnen stellen möchte, wenn er einem anderen Hund begegnet, lassen Sie ihn. Er macht einen Bogen- eine klare Botschaft- so lassen Sie es zu. Wenn es zusammen mit einem anderen Beruhigungssignal auftritt, kann das Schwanzwedeln Beruhigen bedeuten und nicht Glücklichsein. Es gibt Leute, die mir erzählen, ihr Hund habe keine Angst, obwohl er am Boden entlang kriecht und pinkelt - weil er mit dem Schwanz wedelt, muss er ja glücklich sein. Nein, er ist es nicht. Er hat Angst vor seinem Besitzer, und er versucht alles, um den Ärger seines Besitzers zu besänftigen. Was irrtümlicherweise oft als Markieren entlang des Wegesrandes angesehen wird, ist oft ein urinieren, um jemanden zu beruhigen - der Hund auch sich selber, wenn vor ihm z.B. ein großer und starker Hund vorbeigekommen ist, und er durch den Geruch beunruhigt ist. Vielleicht wird es auch benutzt, weil Sie sich während des Spazierganges zu sehr aufregen oder an der Leine zerren. Beim urinieren ist es schwierig festzustellen, ob es sich um ein Markieren oder um ein Beruhigungssignal handelt, aber ich werde meinen Hund nicht dafür bestrafen, wenn er an den falschen Orten uriniert, vielleicht unterbreche ich ihn dabei, aber ruhig und freundlich. Ein einfaches Kommando um ihn zu stoppen, auf ganz normale Weise gesagt, ist alles, was Sie dazu brauchen. Ich hatte eine deutsche Schäferhündin zur Ausbildung, die jedes Mal pinkelte, wenn sie ihren Besitzer sah. Nachdem er seine innere Haltung, Stimme und Art und Weise mit ihr umzugehen geändert hatte, hat sie damit aufgehört. Es war ihre Art, auf diese Weise ihren überaus dominanten und aggressiven Besitzer besänftigen zu wollen, der eigentlich ein netter Mann war, aber glaubte, dass man so mit Hunden umgehen müsse. Nebst diesen Signalen haben wir auch noch: (wenn z.B. ein Hund damit beginnt, an einem Knochen zu kauen oder einem Vogel nachzujagen, weil der andere Hund Angst vor ihm zu haben scheint). Die oben erwähnten Signale sind jedoch die wichtigsten, die am häufigsten verwendet werden. Es sind zudem Signale, die wir bis zu einem gewissen Ausmaß auch selber benützen können.
Körperliche Bestrafung, wie auch immer sie aussehen mag, bedroht einen Hund. Dies ist der Grund, weshalb ich dies in keiner Weise verwenden würde. Wir können unsere Hunde ein Wort lehren, um sie zu stoppen, wir können ihnen beibringen, auf das Wörtchen "nein" zu hören, wir haben viele Möglichkeiten- aber erhöhen wir die Verteidigungsbereitschaft des Hundes nicht unnötig. Bringen Sie den Hund nicht in eine Lage, in der er sich verteidigen muss.
Übersetzung dw, Okt 97 |




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